Barfuß laufen mit Leguanos - Erfahrungsbericht

Wenn man sich im Internet in Lauf-Foren umtut, stößt man unweigerlich auch auf den Trend des Barfußlaufens. Schuhe mit Dämpfung und starker Stützfunktion werden vom physiologischen her in Frage gestellt. barfuß soll gesünder sein, weil unsere Vorfahren auch keine Schuhe hatten und lange Strecken laufen konnten. Klingt alles logisch, aber was ist dran an der Sache? Ich bin immer Schuhe mit wenig Dämpfung gelaufen, also gesagt, getan, ein Paar Leguanos in XXL bestellt. Für meine Füße mit Größe ca. 46,5 passen die exakt, kleiner dürften sie nicht sein. Wer noch größere Füße hat, könnte evtl. Pech haben.

Also los

Gestern bin ich die ersten fünf Kilometer damit gelaufen. Entgegen anderslautenden Erfahrungsberichten: es tut mir nichts weh. Unmittelbar nach dem Lauf waren hier und da leichte Schmerzen im Fuß, die gingen allerdings bald wieder weg. 
Das Laufgefühl ist schon sehr speziell, aber auch nicht so unbekannt: es fühlt sich eben an wie barfuß laufen.Als Kinder haben wir das alle gemacht, man erinnert sich spontan an das Gefühl. Im Leguano-Prospekt wird empfohlen, sehr flach zu laufen und sich nicht nach oben abzudrücken. Man soll die ganze Bewegung nach vorne ausrichten. Das Aufsetzen soll flach mit dem ganzen Fuß geschehen, also auch nicht nur mit dem Vorderfuß, wozu man versucht sein könnte. Mit diesen Tips im Kopf gelingt es nach einer Weile, recht "normal" zu laufen.

Ein anderer Erfahrungsbericht im Internet beschrieb, daß er immer nach hinten rutschte, und alle hundert Meter die Leguanos wieder von Hand nach vorne ziehen mußte. Da ich auch ein leichte Tendenz dazu feststellen konnte, versuchte ich mich mehr mit den Zehen abzustoßen als mit dem Ballen. Weshalb auch immer, das Verrutschen im Schuh wurde immer weniger, ich mußte während den fünf Kilomentern nicht manuell nachbessern.

Die spinnen, die Römer

Eine Sache, die mich am Anfang am meisten beschäftigt hat, ist die Reaktion von Passanten und anderen Joggern. Schließlich ist man in Strümpfen unterwegs und, ich wartete auf ersten, der sich an Stirn tippt oder sonstwie guckt wie ein Auto. Offensichtlich gucken die meisten ihren Mitbürgern jedoch nicht so genau auf die Füße, und so war es mehr wie bei F.K. Waechter. Es gibt viele bunte und verrückte Laufschuhe, erlaubt ist anscheinend, was gefällt. 

Eine weitere Sorge ist, sich zu verletzen, weil der Schutz durch die Sohle geringer ist als bei "herkömmlichen" Schuhen. Auch hier war ich positiv überrascht: ein normaler Schotterweg ist kein Problem, da schützen die Gummisohlen besser als vermutet. Man fängt instinktiv an, den Weg nach großen Steinen und sonstigen spitzen Gegenständen abzusuchen und das ist auch notwendig, denn das könnte schon sehr wehtun. Jedoch stellte ich fest, daß auf einem durchschnittlichen Weg, auf dem man normalerweise läuft, so etwas kaum zu finden ist.

Und, bringt es was?

Dazu kann nich noch nichts sagen. Man fühlt sich auf jeden Fall verwegen, quasi barfuß einherzutraben. Das fand ich schon mal prima. Man wird zu einem anderen Laufstil gezwungen, und es kommt mir vor, als ob dieser auch in normalen Laufschuhen von Nutzen sein kann. Die Fußmuskulatur wird während des Laufens definitiv mehr beansprucht, das kann nicht schlecht sein und wird definitiv zu einer Kräftigung führen. Die größte Sorge ist, daß man sich damit schadet. Davon ausgehend, daß man sich vorsichtig rantastet und nicht gleich 20km mit der ungewohnten Beschuhung läuft, haben sich diese Sorgen bei mir zerstreut. Ein offenes Ohr für seinen Körper sollte man mitbringen, aber das ist ja eh hilfreich.

Daß die Dämpfung nicht vorhanden ist und eine wesentlich größere Erschütterung auf die Füße und Beine übertragen wird, habe ich sozusagen experimentell nachgewiesen. Mein Sigma Running Computer, der kein GPS hat, mißt u.a. die Stärke des Aufpralls, um die Laufgeschwindigkeit zu bestimmen. Ich mußte den Korrekturfaktor ganz erheblich nach unten korrigieren, bis die Kalibrierung wieder stimmte, der Aufprall war also schon eine Ecke stärker.

Die These, die von den Proponenten des Barfußlaufens vertreten wird, ist jedoch, daß die Füße und Beine ihren eigenen Mechanismus mitbringen, um diese Erschütterung aufzufangen und zu dämpfen. Es wird sich auf längeren Läufen zeigen, ob das stimmt. Man sollte die Sache nicht gleich zur Religion erheben und die normalen Läufe auch vorerst in gewohntem Schuhwerk zurücklegen. Die Leguanos sind das aufregende neue Experiment, und so sollte man es erstmal auch behandeln. Alles in Maßen, und ich bin zuversichtlich.

Kommentare

Mike

.... der Aufprall war also schon eine Ecke stärker.

Tach Tommi,

Dirk Pfeiffer, der Vertriebschef von Leguano sagt, daß der "Schuh" auch für den Fersengang/-lauf okay sei. Mag angehen, wobei ich schon seit 2007 nur noch auf den Ballen (Vorderfuß) gehe/laufe. Du solltest Dich definitiv mal mit http://www.godo-active.org/index.php?id=7 beschäftigen. Wie sagt Dr, Greb? Besser schreiten, als zu marschieren. *LOL*

Gruß, Mike