Buffys Erben - True Blood macht Spaß

Ich liebe Serien. Etwa seit dem Jahr 2000 hat sich in den USA ein Trend gebildet, anspruchsvolle Serien mit beträchtlichem Budget zu produzieren, statt alles in die Kino-Blockbuster zu pumpen. Ich habe keine Zahlen, aber Produktionen wie "24" oder "Lost" sind sicherlich aufwändiger als traditionelle Sitcoms, die eher an Theateraufführungen erinnern und natürlich gerade deswegen einen ganz eigenen Charme haben.

Es geht aber nicht nur um Produktionskosten und aufwändige Schauwerte, sondern um intelligente Unterhaltung. Etwas das vor allem "24", meine erste Serie dieser Art, perfekt beherrschte, ist, vielschichtige Charaktere einzuführen. Niemand (mal außer dem Superschurken vielleicht) ist eindeutig gut oder böse. Einige Darsteller wechseln sogar mehrfach die Seiten und man wird lange im Unklaren gelassen, wie Person X denn nun einzuschätzen ist, oder ob das überhaupt zu trennen ist. Evtl. begeht der Verräter eine gute Tat oder Held erschreckt einen mit seiner Brutalität.

Vampire sind sexy

Parallel dazu erfreut sich das Vampirgenre ungebrochener Beliebtheit. Vielleicht hat das damit zu tun, daß Vampire die menschlichsten aller Untoten sind. Solange man Ihre Zähne nicht sieht, kann man sich nicht sicher sein, ob man es mit einem Vampir zu tun hat. Der Erfolg von "Twilight" ist enorm. Man kann über das Publikum diskutieren: sind das alles dreizehnjährige Mädchen oder ist das Publikum generell zu drei Vierteln weiblich?

Wahrscheinlich sind das Schutzbehauptungen der Männer, die sich heimlich in den Schlaf weinen, wenn es Edward wieder mal schlecht ergeht. Unstrittig hingegen sollte sein, daß Twilight eher die romantische Seite des Genres erkundet: der moralische Konflikt des Vampirs, er will ein Guter sein, bis zu verkehrten Verhältnissen, wo die Heldin sagt "Beiß mich, verwandel mich" und der Heldenvampir aber "Nein, das will ich nicht, das kann ich nicht...".

Voll auf die zwölf

Ich weiß nicht, ob Twilight oder True Blood zuerst da war, jedoch fühlt sich die Serie, die das Thema dieses Blogposts ausmacht, an, als ob sie eine Reaktion auf Twilight sei. Die - aus Sicht mancher - etwas kitschige und gewaltarme Herangehensweise von Stephnie Meyer wird nach meinem Gefühl klar aufs Korn genommen.  Ein Detail sollte man dazu wissen: HBO, der Sender, für den True Blood produziert wird, ist ein reiner Pay-TV Sender. Es gibt keine Werbung. Das oftmals als prüde bekannte Amerika (und dementsprechend seine Medien) hat hier seine Zone ohne Tempolimit. Es sind nämlich anscheinend vor allem die Werbekunden, die nicht mit "anstößigem" Inhalt in Verbindung gebracht werden wollen und ihre Produkte nicht in deren Nähe abgebildet sehen wollen. So bringt die Werbefreiheit auch unerhofften Gestaltungs-Freiraum. Natürlich ist der Jugendschutz-Filter bei Pay-TV-Sendern auch effektiver bzw. der Sender kann bei Anfeidungen so argumentieren.

Ich werde den Eindruck nicht los, daß sich das Produzententeam wie die kleinen Kinder darüber freut, diesen Freiraum auszunutzen und bis an die Grenzen auszureizen. Und entsprechend wird in True Blood gepimpert, gemordet und herumgehurt, daß es eine Freude ist - nun ja, wer an sowas Freude hat. Vor allem der Sex ist massiv - wenn auch nie pornographisch - daß ich am Anfang dachte: ähem, das ist doch eine Vampirserie? Fangt mal an zu beißen, da, verdammt! Vor allem Jason, der Bruder der Hauptdarstellerin, sorgt hier mit seiner losen Lebensweise vor allem am Anfang für einen hohen "Body-Count".

Für den Zuschauer ist das vermutlich eine willkommene Kompensation zur sonstig vorherrschenden Über-Korrektheit. Das fällt einem auch auf, wenn man amerikanische Comedians hört: die sind oft ausgesprochen vulgär, was für die Zuschauer einen ählichen Reiz haben dürfte wir für Kinder, die bei "Pipi" und "Kaka" schon anfangen zu kichern. Das tut der Sache keinen Abbruch, daß diese Comedians oft großartig und wirklich lustig sind :) Wer wissen will, wovon ich rede: Anspieltip Louis C.K. auf Youtube.

Gemischte Parodie

Auch True Blood basiert auf einem Buch, die Autorin ist von Chairlaine Harris. Der Titel der Reihe heißt mehr oder weniger "Die Abenteuer der Sookie Stackhouse" (sinngemäß), womit auch schon klar sein sollte, wer die Hauptdarstellerin ist. Gespielt von Anna Paquin, die man als "Rogue" aus der X-Men-Reihe kennt, ist sie Dreh- und Angelpunkt.

Ich oute mich gleich: die Hauptdarstellerin nervt. Und zwar fast von Anfang an. Genauso wie der passende männliche Love Interest Bill Compton (Stephen Moyer), mit dem Paquin im wirklichen Leben verheiratet ist. Und noch mehr nerven ihre Liebesnöte. Und zwar vor allem, weil diese Beiden ein bisschen aus Twilight entsprungen zu sein scheinen. Paquin verbringt viel Zeit damit, süß zu sein und treuherzig in die Kamera zu gucken, während Moyer die typische "Ich will ein guter Vampir sein, und hasse es, Menschenblut zu trinken" tragische Figur gibt.

Aber es gibt gute Nachrichten: der Rest der Charaktere enthält viele Volltreffer, und ähnlich wie in "Lost" spielen sich viele Geschichten und Charakterentwicklungen parallel ab.

Das rockt auch akustisch

Was einen gleich am Anfang in Beschlag nimmt, ist das Setting in der fiktiven Stadt "Bon Temps" im tiefsten Süden der USA, in Louisiana. In Lousiana liegt auch New Orleans. Es ist heiß, es ist schwül, und es ist meistens Nacht, denn sonst könnten die Vampire ja nicht mitmischen. Wirklich großartig ist der Titelsong und die zugehörige optische Einleitung. Leider fand ich diese nicht auf Youtube - Urheberrecht. Aber immerhin einen Auftritt von Jace Everett in der Night Show gibt es, und da kommt die Musik auch gut rüber ;) Die Serie läuft auf Pro 7, von daher kann man sich das auch dort angucken.

Ich bin leider kein großer Abspann-Geduldhaber, aber im Abspann laufen immer unterschiedliche, und meist spannende aktuelle Rocksongs, für die es lohnen kann, den Soundtrack zu kaufen. Der Titelsong "Bad Things" ist natürlich Pflicht in der Musiksammlung jedes Filmgeeks :)

Wie immer: in der Originalsprache besser

Ein Fun-Fact, den ich erst, als ich auch mal das englische Original sah, herausfand, sorgt bei mir für nicht endenwollende Erheiterung. Passend zum Setting im tiefen Süden der USA sprechen die Darsteller teilweise mit deutlichem Southern-Akzent. Das muß man einfach gehört haben. Vermutlich mußten sie das antrainieren, aber vielleicht hat ja auch der ein oder andere seine sprachlichen Wurzeln im Süden. Dazu mit dem typischen Black-People-Einschlag z.B. bei Tara und Lafayette macht das großen Spaß.

Einfach mal reinschauen, es gibt viel zu entdecken. Überflüssig zu sagen, daß sich die Serie abends oder nachts am besten guckt. Wohl bekomms!