Now for something completely different - Schach spielen

Das hat jetzt (zum Glück?) mal rein gar nichts mit Drupal zu tun. Ich habe vor ein paar Monaten eine alte Leidenschaft wiederentdeckt: Schach. Das perfekte Spiel für Geeks und Nerds, man weiß es spätestens wenn man einen Schachclub besucht. Disclaimer: ich zähle mich dazu. Ich hatte früher nie die Geduld, zwei oder gar drei Züge vorauszuberechnen, geschweige denn die des Gegners, daher konnte ich nie wirklich gut werden.

Das Internet ist das perfekte Medium für Schach. Sowohl für das Spielen, da die Übermittlung der Züge in Echtzeit wesentlich einfacher ist als die Bewegungen in Counterstrike und aktuelle Versionen von schnellen 3D-Spielen zum Laufen zu bekommen, als auch für Videos, Blogs und interaktive Lernformen. Entsprechend gibt es eine Myriade von Seiten, viele mit sehr gutem Content. Es gibt sehr aktive Foren auch in Deutschland, man kann einfach alles online machen.

Jedoch: am echten Holzbrett gegen eine echte Person zu spielen is a different beast. Aktuell hält mich vor allem vom Besserwerden ab: Unterschätzen des Gegners, Ungeduld und vor allem ständig irgendeine Figur einzustellen (Schachsprache für übersehen, daß der Gegner sie schlagen kann). Die Gefahr ist, daß man sich in genialen strategischen oder taktischen Plänen verliert, aber übersieht, daß der Gegner die Dame schlagen kann.

Chess.com rockt

Zurück zum Schach im Internet: eine Seite, die für mich heraussticht, ist chess.com. Ich weiß immer noch nicht genau, wer die Betreiber sind, aber sie versuchen offensichtlich (erfolgreich?) von der Seite zu leben. Entsprechend machen sie richtig ernst, und zumindest von der Optik und der Liebe zum Detail - neben den Inhalten, natürlich - ist die Seite recht weit vorne angesiedelt. Bloß responsive sollte sie noch sein. Die Videos sind von verschiedenen Großmeistern und sonstigen hervorragenden Schachspielern gemacht und zeichnen sich im allgemeinen durch hervorragende Qualität vor allem auch in pädagogischer Hinsicht aus. Dafür lohnt es sich schon mal, 11 Dollar zu riskieren. Alle amerikanischen Seiten erlauben, ein Abo abzuschließen, und wenn man es eine Minute später kündigt, gilt es nur einen Monat lang und verlängert sich nicht mehr.

Hervorragend sind die Videos, die leider - aber irgendwovon müssen die leben - größtenteils nur verfügbar sind, wenn man den teuersten Tarif wählt für 11 Dollar im Monat oder 77 im Jahr. Es gibt sogar eine Schwesterseite, chesskid.com, die etwas ähnliches für Kinder bietet. Wer meint, das wäre nichts für Kinder, sollte bedenken, daß viele Weltmeister schon mit 12 auf Erwachsenenturnieren Angst und Schrecken verbreitet haben, wie der derzeit stärkste Spieler Magnus Carlsen aus Norwegen.

Das Kandidatenturnier, in dem der Herausforderer des aktuellen Weltmeisters Vishwanathan Anand aus Indien ausgespielt wurde, wurde live im Internet übertragen. Das hat in mir endgültig das Feuer entfacht. Ausgetragen in London, saßen jeden Tag zwei wackere Kommentatoren - einer die ganze Zeit und dazu wechselnd jeweils ein weiterer - bis zu sieben Stunden dorten und kommentierten und analysierten die Partien, während sie stattfanden.

Bei dem kommenden Weltmeisterschaftskampf wird es ähnlich sein, der in Indien ausgetragen wird. Wer also früher mal Schach gespielt hat und gerne wieder anfangen möchte: es gibt so viele großartige Plattformen und Materialien - sehr viel kostenlos auf Youtube - daß ihr begeistert sein werdet, wie sich das weiterentwickelt hat. Zudem gibt es in jeder Stadt - so auch in Hannover - einige Schachclubs. Dort trifft man vorwiegend ältere Herren - aber nicht nur - die aber meist ziemlich gut drauf sind. Also ran ans Brett, auf daß das vor unserem Kopf uns nicht so sehr behindert. Gut Zug!